Aktionen geplant gegen "Naziladen"
Sunday, 9. December 2007

Dresdner Neuste Nachrichten

 

Nach Leipzig, Magdeburg und Berlin auch in Dresden Protest gegen "Thor-Steinar" Shop

Dazu könne sie nichts sagen, meint die Verkäuferin im Laden "Tonsberg" auf die Frage, ob denn ihr Umsatz zurück gegangen sei, seit im Dynamo-Stadion Thor-Steinar-Bekleidung verboten ist. Seit Mitte September ist das Betreten des Harbig-Stadions in Kleidung der von Rechtsradikalen bevorzugten Marke untersagt. Und nahezu ausschließlich Klamotten dieser Marke werden in dem Geschäft auf der Wilsdruffer Straße verkauft.


Unter dem Motto "Schöner leben ohne Naziläden" laden jetzt verschiedene Initiativen für den 15. November ein zu der Auftaktveranstaltung der Kampagne "Ladenschluss jetzt - Tonsberg dichtmachen".
Das Geschäft wurde im August 2006 eröffnet. "Unser Ziel ist es, dass der Laden geschlossen wird", sagten gestern gegenüber unserer Zeitung Initiatoren der Kampagne. In Leipzig war man etwas schneller. Seit der Eröffnung am 22. September 2007 hatten immer wieder Linksalternative gegen den dortigen "Tonsberg"-Shop mobil gemacht. Dabei flogen auch Steine, es brannte. "Wir wollen keine Gewalt. Wir hoffen, dass sich viele an unseren Aktionen beteiligen" sagen die Dresdner. Auch in Leipzig nahmen schließlich mehrere tausend empörte Bürger an den Demonstrationen gegen den Ausstatterladen für Neonazis teil.
Ebenfalls in Magdeburg und in Berlin gab es Proteste gegen Thor-Steinar-Läden. Wobei sich allerdings zeigte, dass es rechtlich nicht so einfach ist, solche Shops zu schließen. In Leipzig läuft der Rechtsstreit zwischen Mieter und Vermieter noch. In Berlin wurde der Mietvertrag für einen "Tonsberg"-Laden am Alexanderplatz erst nach zwei Jahren massiven Protestes gekündigt, in Magdeburg liegt die Räumungsklage für ein Thor-Steinar-Geschäft beim Landgericht. In Dresden besonders delikat ist die Tatsache, dass hier der Vermieter die Woba ist. Als der Mietvertrag abgeschlossen wurde, gehörte die Wohnungsgesellschaft schon nicht mehr der Stadt. Der Betreiber des Tonsberg-Ladens ist übrigens die "Blond Textil- und Schuhvertriebs GmbH". Es gibt Namen, die lassen einfach keinerlei Missverständnisse aufkommen.
Missverständlich ist indes die norwegische Flagge an der Ladenfront. Die norwegische Regierung wandte sich bereits 2006 an deutsche Behörden, um den Missbrauch der norwegischen Flagge für die Vermarktung von Thor-Steinar-Sachen zu unterbinden. Bisher allerdings ohne Erfolg.


Heidrun Hannusch

Bildunterschrift: Der Laden "Tonsberg" auf der Wilsdruffer verkauft Bekleidung der bei Neonazis beliebten Marke "Thor Steinar".

 

Dresdner Neuste Nachrichten, 10./11.11.2007

 
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