Linke demonstrieren gegen „Nazi-Laden“
Sunday, 16 December 2007

Sächsische Zeitung Dresden

 

Eine Kampagne will den Verkauf von Kleidung der rechten Szene im Zentrum unterbinden.

 

Gut 200 Anhänger antifaschistischer Gruppen haben am Sonnabend mitten im Einkaufstrubel auf der Wilsdruffer Straße gegen ein Geschäft demonstriert, das Modekleidung der Neonazi-Szene verkauft. Die Aktion stand unter dem Motto „Ladenschluss jetzt – Tønsberg dichtmachen!“.

Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem der Stadtvorsitzende der Partei Die Linke, Hans-Jürgen Muskulus, und der Grünen-Stadtrat Jens Hoffsommer.

Die Aktion richtete sich gegen den Laden Tønsberg in der Wilsdruffer Straße 27, weil er vorwiegend Kleidung der Marke „Thor Steinar“ führt. Sie gilt unter Neonazis seit einiger Zeit als Erkennungszeichen der Zugehörigkeit zur rechten Szene.

Bei der Kundgebung wurden per Lautsprecher Informationen über den Laden, die Marke und die Neonazi-Szene verkündet und Musik gespielt. Man wolle eine Normalisierung der Marke und damit der Szene verhindern, wurde betont.

Es wurden auch Sprüche verkündet wie: „Wer diese Marke trägt mit Stolz, dessen Kopf ist aus Holz“ oder: „Lieber Fruchtzwerge als Tønsberge!“ Autofahrer wurden mit Plakaten zum „Hupen gegen rechts“ aufgefordert, wobei eine ganze Reihe mitmachte. Nach drei Stunden zogen sich die Demonstranten in die Neustadt zurück.

Für ihre Kundgebung waren sie weitgehend auf die gegenüberliegende Straßenseite vor dem Quartier M verbannt worden. Das Ordnungsamt hatte verfügt, dass höchstens fünf von ihnen direkt vor dem Laden Flugblätter verteilen durften. Dies geschah nach Auskunft von Anmelderin Kristin Hofmann vom Stadtvorstand Die Linke kurzfristig entgegen früheren Absprachen zum Ablauf der Aktion.

Die Aktion verlief bei eisiger Kälte weitgehend friedlich. Zum Startzeitpunkt traten etwa 15 Anhänger der Rechten aus dem Laden, blieben kurz wie ein Schutzschild davor stehen und verteilten sich anschließend in der Nähe. Die Polizei sicherte das Geschehen mit demonstrativ aufgestellten Fahrzeugen, ohne viel Truppen zu zeigen.

Demonstranten beschwerten sich, dass sie außerhalb des unmittelbaren Schauplatzes von Rechten angerempelt worden seien. Die Polizei habe dies aber trotz Information ignoriert. Die Inhaber des Ladens wollten sich nach Auskunft einer Verkäuferin nicht zu dem Geschehen äußern.

 

ladenschluss-jetzt.org 

 

Stefan Rössel, Sächsische Zeitung Dresden, 17.12.2007

 
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